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Vorsrogeausweis-FinanzFabio

Der Vorsor­ge­aus­weis – alle Jahre wieder

"Ich han de Arbetgeber gwechslet und ben jz inere neue PK. Verstah de Uswis nöd."

"Isch immer sgliche, nur chli andersch dargstellt."

"Nei de hät ganz anderi Zahle druf."

"Ned nur din Uswis werd andersch si, au din Vorsorgeplan."

Das wichtigste in Kürze

  1. Den Vorsorgeausweis solltest du jetzt erhalten
  2. Er ist wichtiger als dein Lohnausweis
  3. Du wirst mit 50 Jahren die Hälfte deines Vermögens in der PK haben
  4. Vergleiche beim Stellenwechsel nicht nur den Lohn sondern auch die Pensionskassenlösung

Der Vorsorgeausweis

Im Januar erhältst du deinen Vorsorgeausweis. Entweder zusammen mit der Lohnabrechnung oder im Portal deiner Pensionskasse. Je nachdem wie digital deine Pensionskasse und dein Arbeitgeber unterwegs ist halt. Übrigens ist dir vielleicht aufgefallen, dass du weniger Nettolohn hast - der AHV-Beitrag wurde erhöht.

Wenn du die beiden Papiere vor dir hast, ist der Vorsorgeausweis eindeutig der wichtigere der beiden. Die Lohnabrechnung gilt für einen Monat. Dein PK-Ausweis für den Rest deines (Arbeits-)Lebens. Natürlich wechselst du vielleicht noch ein paarmal deinen Arbeitgeber, trotzdem siehst du, wohin die Reise etwa geht.

Extrem spannend finde ich, dass du auf dem Vorsorgeausweis siehst, wie sich der wohl grösste Teil deines Vermögens entwickelt. Und trotzdem verstehen die meisten Menschen kaum, was darauf steht. Deswegen werde ich auch nicht müde, den Ausweis Jahr für Jahr wieder zu erklären.

Vielleicht hast du schon von der 50er Regel gehört? Die Hälfte der Menschen über 50 haben über 50% ihres Vermögens in der Pensionskasse. Grund genug, dass du dich hinsetzt und für einmal ein ganzes A4 Papier am Stück aufmerksam durchliest. Auch wenn es länger als acht Sekunden dauert - du Socialmedia gestörter Goldfisch.

Zahlenschlacht und Fachchinesisch garantiert

Manchmal wenn ich solche Dokumente durchlese, frage ich mich, ob die Pensionskassen das absichtlich machen oder einfach nicht anders können. Der Ausweis ist gespickt mit Fremdwörtern und Zahlen. Der erste natürliche Impuls eines jeden Menschen ist wohl, das Ding weg zu legen.

In meinem Leben habe ich gefühlt schon tausende und abertausende Vorsorgeausweise in die Finger bekommen. Es gibt tatsächlich so etwas wie eine Struktur in den Dingern. Am besten nimmst du jetzt deinen PK-Ausweis zur Hand. Oder rufst ihn auf deinen Bildschirm auf.

Das waren noch Zeiten. Das Video zum Vorsorgeausweis feat. Frida-Magazine 2019

Personalien und allgemeine Angaben

Nicht nur hast du oben Links deine Adresse, es gibt auch noch einen Bereich, wo deine allgemeinen Angaben aufgeführt sind. Dazu zählt die Vertrags- und Versichertennummer, Geburtsdatum, welchem Vorsorgeplan du unterstellt bist und einige Lohnarten. Dazu gleich mehr.

Die Versichertennummer ist übrigens meistens einfach deine AHV-Nummer. Falls du diese also einmal brauchst und gerade nicht zur Hand hast, auf deinem Vorsorgeausweis wird sie irgendwo stehen.

Das meiste davon ist für dich nicht wirklich wichtig, ausser den Lohnarten.

Lohnarten

Auf dem Pensionskassenausweis findest Du verschiedene Lohnangaben.

  • Gemeldeter Jahreslohn
  • Versicherter Lohn 1
  • Versicherter Lohn 2
  • Sparlohn
  • Risikolohn
  • Koordinierter Lohn
  • usw.

Wie immer in der Finanzwelt und der Vorsorge sind es viele Fachbegriffe die mehr oder weniger das gleiche bedeuten. Die drei wichtigsten sind sicher der gemeldete Jahreslohn, Sparlohn und der Risikolohn.

Der gemeldete Jahreslohn gibt an, wieviel Du effektiv verdienst. Dein Bruttolohn quasi.

Aufgrund des Sparlohnes spart dein Arbeitgeber und Du zusammen für deine Pensionierung. Je höher dieser ist, umso mehr Geld wirst Du bei deiner Pensionierung auf deinem PK-Konto haben. Es würde mich nicht überraschen, wenn dein Sparlohn exakt CHF 25'095 (Koordinationsabzug) tiefer ist, als dein gemeldeter Jahreslohn.

Beim Risikolohn handelt es sich um die Basis für all deine Risikoleistungen. Deine IV-Rente und die Partnerrente hangen davon ab.

Altersguthaben

Deine jährliche Altersgutschrift ist der Betrag, der jedes Jahr in dein Pensionskassenkonto gespart wird. Einen Teil davon bezahlst du, der andere Teil, mindestens die Hälfte, dein Arbeitgeber. Oft wird auch unterschieden, was du gemäss BVG, der obligatorische Teil, sparst und was du darüber hinaus im Total sparst.

Meistens wird hier auch gleich aufgeführt, wieviel du schon angespart hast. Auch hier findest du ein Alterskapital gemäss BVG und eine hoffentlich grössere Summe. Die ist für dich wichtig.

Eventuell wird es auch als Freizügigkeitsleistung per 01.01.2021 aufgeführt.

Finanzierung

In deinem Vorsorgeausweis steht, wer was und wieviel bezahlt. Damit sind du und dein Arbeitgeber gemeint. Zu finanzieren gibt es die Spar- und Reisikobeiträge sowie die Verwaltungskosten.

Sparbeiträge

Wieviel du in CHF sparst, siehst du auf jedem Vorsorgeausweis. Wieviel es in Prozent sind leider nicht bei allen. Wenn du es genau wissen willst, kannst du auch deinen Vorsorgeplan konsultieren. Diese Beiträge können auch ändern. Hier, wie du gemäss Gesetzt im Minimum sparen würdest.

AlterSparbeiträge in %
25 - 347
35 - 4410
45 - 5415
55 - 6518
Sparbeiträge gemäss BVG

Risikoprämie und Verwaltungskosten

In der zweiten Säule sparen wir nicht nur für unser Alter, wir versichern uns auch gegen Invalidität und den Todesfall. Dafür bezahlen wir eine Risikoprämie. Was diese kostet, solltest du hier sehen. Meist wird sie mit den Verwaltungskosten zusammen aufgeführt.

Bei vielen Vorsorgeausweisen wird der Jahres- sowie auch der Monatsbeitrag ausgewiesen.

Leistungen bei Invalidität

Wenn du krank wirst und ich rede von richtig krank, nicht von deiner Männergrippe, kannst du nicht mehr arbeiten. Und zwar langfristig, quasi für immer. Ich spreche davon, dass du ein Invaliditätsfall wirst. Ohne Arbeit kein Geld und das wollen wir ja nicht.

In der Schweiz sind wir durch unser drei Säulensystem dafür immer noch gut abgesichert. Auf deinem Vorsorgeausweis steht sogar, wieviel Geld du bei Invalidität bekommen wirst. Dazu bekommst du noch einen Teil aus der ersten Säule.

Leistungen bei Tod vor der Pensionierung

Holt dich der Sensenmann bevor du von der AHV ein Schreiben erhältst, dass sie leider kein Geld mehr für dich hat, also vor der Pension, ist deine Partnerin abgesichert. Die jährliche Witwen- oder- Partnerrente gibt Auskunft, wieviel Geld sie erhalten würde. Pro Kind wird zusätzlich eine Waisenrente ausbezahlt.

Es wird immer unterschieden, ob du an einer Krankheit oder bei einem Unfall das zeitliche segnest. Mach dir aber keine Sorgen, wenn bei Unfall einfach 0.00 steht. Das ist normal und wir von einer anderen Versicherung bezahlt.

Leistungen im Alter

Wohl die spannendste Tabelle auf dem Ausweis. Wieviel Geld, als Kapital oder Rente, wirst du bei Pension erhalten? Oft wird hier auch wieder der BVG und das Totale Kapital aufgeführt. Für dich ist wie immer die höhere Zahl wichtig.

Warum wird das Kapital und die Rente aufgeführt? Du kannst dich vor der Pension entscheiden, ob du den ganzen Zaster lieber auf einmal möchtest oder in monatlichen Renten. Hier gibt es keine pauschale Empfehlung. Nur weil dein Nachbar sich für x und nicht y entschieden hat, heisst es nicht, dass das für dich auch das Beste ist.

Übrigens, je nach Vorsorgeausweis, werden hier verschiedene Hochrechnungen aufgeführt. Einmal mit und einmal ohne Zins. Oder mit verschiedenen Zinsen. Spannend ist der Vergleich, wenn du den Vorsorgeausweis 2020 mit dem neuen von 2021 vergleichst.

Wenn dir jetzt gerade auffällt, dass deine Rente ziemlich mager ausfällt, ja das ist richtig. Eventuell kommt ja noch ein wenig etwas aus der AHV. Verdienst du in deinem Leben mehr als CHF 86'040 im Jahr, darfst du noch CHF 28'680 dazu rechnen. Falls wir noch eine AHV-Rente bekommen.

Wenn nicht kannst du dir ja scho einmal ein neues Budget machen:

Voraussichtliche Leistungen bei vorzeitiger Pensionierung

Wenn du wie ich keine Lust hast, bis 65 zu arbeiten und vorher den Fisch machst, siehst du hier, welche finanziellen Konsequenzen das hat. Nicht nur wird das Kapital um die nicht einbezahlten Beiträge kleiner, auch der Zinseszins kann weniger für dich arbeiten. Im Übrigen sind die letzten Jahre die fettesten Beitragsjahre, was ziemlich schade ist.

Hier ein Blick auf die Sparbeiträge gemäss BVG. Du kannst aber einen besseren Plan haben und auch mehr sparen:

Sparbeiträge

Zusatzinformationen

Hier versteckt sich die wichtigste Zahl, wenn du ein Haus oder eine Wohnung kaufen möchtest. Maximal möglicher Vorbezug für Wohneigentum, im Volksmund auch WEF genannt, ist die Zahl die für dich Entscheidend ist.

Weiter siehst du hier, wieviel Geld bereits in deiner Pensionskasse war, bevor du geheiratet hast. Wieso wird diese überhaupt aufgeführt? Bei einer Scheidung wird dieser Betrag abgezogen. Wenigstens etwas, dass du nicht abdrücken musst.

Die maximal mögliche Einkaufssumme gibt Auskunft darüber, wieviel Geld du in deine PK einzahlen kannst. Bist du schon 55? Dann ist die Zahl für dich interessant. Bist du wesentlich jünger, Kauf dir lieber einen anständigen ETF.

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Abschliessende Randbemerkungen von mir

Der Pensionskassenausweis scheint im ersten Moment wirklich etwas kompliziert zu sein. Es lohnt sich aber wirklich, sich Zeit zu nehmen und diesen zu studieren. Warum? Bei einem Stellenwechsel wird auch deine Vorsorgelösung der zweiten Säule anders sein, nicht nur dein Lohn.

Die Pensionskasse ist aber ein wesentlicher Bestandteil deines Einkommens. Leider wird dieser Teil immer noch massiv unterschätzt. Frag bei jedem Vorstellungsgespräch nach dem Vorsorgeplan. Wenn du diesen nicht verstehst, ich helfe dir gerne weiter.

Aktuell hatte ich gerade einen Fall, dass einem Freund weniger Bruttolohn angeboten wurde, er aber in der Pensionskasse viel höhere Sparbeiträge haben wird und zwar auf den ganze Lohn, nicht nur auf den koordinierten. Unter den Strich lohnt sich für ihn den Stellenwechsel.

Im übrigen gebe ich hier wieder einmal der Schule die Schuld, dass wir keine finanzielle Bildung erhalten und deswegen auch nicht lernen, wie so ein Vorsorgeausweis zu lesen ist.

Bis bald,

FinanzFabio

FinanzFabio will mit finanzieller Bildung auf seinem Blog die Schweiz vor der Altersarmut retten. Er glaubt nicht mehr an die AHV.

www.finanzfabio.ch

Ps. Klick bitte auf das Herzchen, damit ich weiss, dir hat der Beitrag auch etwas gebracht!

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7 Kommentare

  1. Hallo Fabio, danke für den guten Beitrag! Was hältst du von dem freiwilligen Pensionskassenbeitrag. Würdest du diesen empfehlen oder eher nicht?

    Freundliche Grüsse
    Georg

      1. Hi Fabio

        Ich rede vom freiwilligen Sparbeitrag bei der PUBLICA. Dies ist ein zusätzlicher Betrag zu den ordentlichen, monatlichen Arbeitnehmerbeiträgen, welcher vom Lohn direkt der PUBLICA überwiesen wird. Bis 45 (bin da nicht ganz sicher) kann man maximal 2% und danach maximal 4% vom Lohn sparen.

        Jetzt ist meine Frage dahingehend, ob ich das Geld lieber in einen ETF investiere oder weiter bei der PK spare.

        Danke für deine Bemühungen.

        Gruss
        Georg

        1. Hallo Georg

          Wenn du einen Anlagehorizont von mehr als 15 Jahren hast, würde ich persönlich das Geld lieber in einen ETF investieren.

          Bis bald,

          FF

    1. Hallo Alex

      Kann viele Gründe haben. Evtl. ist euer maximal versicherter Lohn nur CHF 60’945 (maximum gemäss BVG) und du verdienst mehr als CHF 86’040.

      Müsste aber deinen Ausweis sehen, um es genau sagen zu können.

      Bis bald,

      FF

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