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Einkauf-Pensionskasse-FinanzFabio

Einkauf Pensi­ons­kasse

"Ich hätte mal eine Frage zur Pensionskasse, bin ja da seit 1.5 Jahren auch dabei… Jetzt habe ich eine Lohnerhöhung erhalten, die Pensionskasse hat mir einen Brief geschickt bezüglich der Lohnmutation. Da steht unter anderem drauf, dass ich mich per 01.08 mit Fr. 720.- in die Pensionskasse einkaufen kann. Wie entstehen solche Einkaufsmöglichkeiten?"

"Spannende Frage, lass mich darüber bloggen."

Was ist ein Pensionskasseneinkauf

Schon öfters habe ich über das BVG und die Pensionskassen geschrieben. Heute möchte ich dir erklären, was genau ein Pensionskasseneinkauf ist und wie es überhaupt dazu kommen kann.

Vorneweg möchte ich hier noch erwähnen, dass dein Vorsorgeplan, sprich wie du genau in der Pensionskasse durch deinen Arbeitgeber versichert bist, hier eine wichtige Rolle spielt. Wären wir alle strikt nach BVG versichert, dann würde der Chefarzt eines Spitales, der mehrere hunderttausend Franken verdient, mit 65 Jahren genau gleich viel in der Pensionskasse haben wie eine Krankenschwester die genau CHF 85'320 im Jahr verdient. Obwohl die Krankenschwester wohl mehr Guthaben in der Pensionskasse hätte, da sie nicht bis 32 oder so studieren muss.

Lass mich zuerst noch einmal die Sparbeiträge gemäss BVG erklären.

Sparen in der Pensionskasse gemäss BVG

Das Bundesgesetz über die berufliche Alters-, Hinterlassenen- und Invalidenvorsorge (BVG), regelt die minimalen Leistungen der zweiten Säule.

Zu diesen minimalen Leistungen gehören auch die Sparbeiträge, die nach Alter geregelt sind. Die Beiträge werden zur Hälfte von dir und zur anderen Hälfte durch deinen Arbeitgeber bezahlt.

25 -34: 7%, 35 - 44: 10%, 45 -54: 15%, 55 - 65: 18%

Rechnen wir das ganze Zusammen kommen wir auf ca. 500%, je nach Geschlecht und in welchem Monat du Geburtstag hast.

Die Prozentsätze sparst du aber nicht direkt auf deinem Lohn. Da die Pensionskasse mit der AHV koordiniert wird (man will nichts doppelt versichern), wird der Teil deines Lohnes, der bereits durch die AHV gedeckt ist, nicht noch einmal bespart und versichert. Ein Teil deines Lohnes wird also abgezogen. Das nennt man den sogenannten Koordinationsabzug. Stand heute beträgt dieser CHF 24'885.

Zum Koordinationsabzug kommt aber auch eine Lohnobergrenze. Diese ist wurde für das Jahr 2019 und 2020 bei CHF 85'320 festgelegt. Von der Lohnobergrenze ziehen wir jetzt noch den Koordinationsabzug ab und kommen somit auf den maximalen BVG-Lohn: CHF 60'435.

Gemäss BVG spielt es also keine Rolle, ob du CHF 85'320 oder CHF 853'200 oder noch mehr verdienst. Du sparst immer nur auf dem Lohn von CHF 60'435.

500% X CHF 60'435 = CHF 302'175 - mehr wirst du gemäss BVG nicht in deiner PK haben.

Jetzt kann es aber sein, dass die Pensionskasse deines Arbeitgebers viel besser ist und das du dadurch viel mehr Geld in deiner PK haben kannst. Als Finanzplaner habe ich schon Pensionskassenausweise gesehen, die mehrere Millionen ausgewiesen haben.

Wie entsteht ein Pensionskasseneinkauf

In der Pensionskasse geht man immer von deinem heutigen Lohn und von deinem heutigen Vorsorgeplan aus. Sprich wenn du mehr verdienst, entsteht eine Lücke in deiner Vorsorge.

Wenn dir an die Grundidee der Pensionskasse denken, dem weiterführen des gewohnten Lebensstandarts nach der Pensionierung, mit einem Lohn von ca. 60-70%, dann ist die Berechnung der Einkäufe ziemlich logisch. 60% von CHF 60'000 sind nunmal CHF 36'000 und von CHF 100'000 halt CHF 60'000. Diesen Gap sollst du selber nachfüllen können.

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, wie es zu einem Pensionskasseneinkauf kommen kann.

Lohnerhöhung

Du bist 27 Jahre alt, hast Ende Jahr dein Mitarbeitergespräch und erhältst erfreulicherweise eine Lohnerhöhung von CHF 500 pro Monat. Neu verdienst du ab Januar CHF 6'500 statt CHF 6'000. Bis jetzt war die Berechnung für deine Sparbeiträge so:

CHF 72'000 x 7% = CHF 5'040. Soviel wurde also jedes Jahr die letzten drei Jahre gespart. Ohne Zins hast du also Ende 2020 CHF 15'120 auf dem Konto.

Neu verdienst du CHF 78'000 im Jahr. CHF 78'000 x 7% = 5'460. Hättst du die letzten drei Jahre auch schon soviel verdient, wären per Ende 2020 CHF 16'380 auf deinem PK-Konto. Die fehlenden CHF 1'260 ist dein neues Einkaufspotenzial.

Arbeitgeberwechsel - besserer Vorsorgeplan

Es vergehen fünf Jahre und du machst einen Karrieresprung. Mit 32 wechselst du deinen Arbeitgeber, da du ein Job als Teamleiter angenommen hast. Nicht nur hast du jetzt mehr Verantwortung, du verdienst jetzt auch viel mehr und als i-Tüpfelchen bist du bei deiner neuen Firm auch noch besser in der Pensionskasse versichert. Viel besser als nur das BVG.

Dein neuer Lohn: CHF 100'000.-

Koordinationsabzug: CHF 0

Sparbeiträge: 15% - CHF 15'000

Hättest du seit 25, also seit sieben Jahren jährlich CHF 15'000 gespart, wären bereits CHF 105'000 in deiner PK. Bis jetzt wurden aber erst CHF 38'220 angespart. Neues Einkaufspotenzial: CHF 66'780.

Selbst wenn dein Lohn gleich geblieben wäre mit CHF 78'000, hättest du ein Einkaufspotenzial durch den besseren Vorsorgeplan:

CHF 78'000 x 15% = CHF 11'700. CHF 11'700 x 7 = CHF 81'900

Einkaufspotenzial CHF 81'900 - CHF 38'220 = CHF 43'680

Du siehst, ein Einkauf Pensionskasse kann verschiedene Ursachen haben und kann schnell sehr hohe Summen erreichen. Für mich als Finanzplaner natürlich immer ein gefundenes Fressen, da ich so meinen Kunden mit einer cleveren Planung extrem viel Steuern einsparen kann. Ein Einkauf in die Pensionskasse kannst du nämlich vom steuerbarem Einkommen abziehen.

Auch wenn es steuerlich sehr attraktiv ist, lohnt aich ein Einkauf in die Pensionskasse nicht in jeden Fall. Vor deinem 50igsten Geburtstag würde ich noch nicht daran denken, es aber zumindest im Hinterkopf behalten und einplanen.

Auskunft gibt dir dein Vorsorgeausweis

Jedes Jahr im Januar bekommst du von deiner Pensionskasse den Vorsorgeausweis zugestellt. Auf diesem sollte ersichtlich sein, wie hoch dein aktuelles Einkaufspotenzial ist. Leider gibt es immer noch einige PKs, die es nich6 ausweisen. Hier kannst du aber eine Einkaufsberechnung beantragen. Diesen Aufwand würde ich aber nur auf mich nehmen, wenn ich wirklich an Einkäufen interessiert bin.

Hast du dich bereits in die Pensionskasse einegkauft? Schreib mir einen Kommentar.

Bis bald,

FinanzFabio

Ps: Lass mir doch bitte ein Herzchen hier. Einfach hier unten anklicken.

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12 Kommentare

    1. Hallo Alexander

      So geht es mir wenn ich in Deutschland einkaufe und dann an die Preise in der Schweiz denke 😀

      Bis bald,

      FinanzFabio

  1. Hi Fabio

    Danke für den tollen Artikel. Sehr informativ. Ich hätte zwei Fragen dazu und wäre dankbar, wenn Du darauf antworten könntest:

    1. Was passiert, wenn man plötzlich weniger und nicht mehr verdient? Das könnte ja sein, weil man den Job wechselt oder weil man im gleichen Job reduziert (z.B. 80%).

    2. Wird die Berechnung immer ab dem 25 Lebensalter gemacht? Wenn ja, gilt das auch für Zuzügler aus dem Ausland?

    Besten Dank und weiter so. Tolle Inhalte bei Dir!
    Tommy

    1. Hallo Tommy

      1. Auch hier kommt es sehr auf deinen Vorsorgeplan drauf an. Wenn du bereits mehr Geld hast, als der Vorsorgeplan beim neuen Lohn vorsieht, ist es möglich, dass du Geld auf ein Freizügigkeitskonto überweisen musst. In der Praxis habe ich das aber noch nie erlebt.
      2. Die Berechnung wird immer auf dem Vorsorgeplan gestützt. Arbeitest du bei einer Firma, die bereits ab 18 mit sparen beginnt und nicht erst ab 25, dann wird die Berechnung ab 18 gemacht. Die Arbeitgeber sind hier frei, wie sie den Plan gestalten, spätestens ab 25 muss aber jeder sparen.

      Ich hoffe ich konnte dir somit weiterhelfen.

      Bis bald,

      FinanzFabio

    1. Hallo Fabienne

      Nun es geht hier nicht direkt ums Alter, sondern darum, dass du mit 50 wohl eher mehr verdienst als mit 30 und somit der Effekt der STeuerersparnis grösser ist. Weiter kannst du das Geld vor 50 auch rentabler an der Börse anlegen, da du eine längere Laufzeit hast.

      liebe Grüsse

      FinanzFabio

      1. Ja der Effekt des Steuerersparnisses bei einer Einzahlung vor 50 verwässert sich mit der Zeit. Sowieso bei diesen PK Anlagerenditen im Moment definitiv abzuraten. Kein Vorsorgeberater gibt dies natürlich offen zu.

        1. Hallo Alex

          Ja sie wissen es auch nicht besser. Aber lieber sie raten zu einem PK Einkauf, als einfach eine Lebensversicherung zu verkaufen.

          Bis bald,

          FinanzFabio

  2. Meine Empfehlung ist PK Einkauf mit der Alternative konkret zu vergleichen. Dann sieht man ob selber investieren wirklich besser ist für die Zeitspanne bis zur Rente oder Auszahlung. Was beim selber investieren leicht übersehen wird, ist einerseits das man mit einem reduzierten Betrag startet (man zahlt ja extra Einkommenssteuern basierend auf dem Grenzsteuersatz) und man eine Risikoprämie dazurechnen muss. D.h. es dauert mehrere Jahre bis zum „break even“, und es gibt keine Garantie für die zu erwartende Rendite im Gegensatz zur PK.

    1. Pensionskasseneinkäufe müssen meiner Meinung nach zwingend mit jemanden geplant werden, der sich auskennt. Steuerlich und rechtlich. Hier muss man nicht nur das Einkaufspotenzial kennen sondern auch den Vorsrogeplan und das Reglement verstehen. Trotzdem für viele ist die risikolose Rendite die bessere Lösung als sich ohne know-how und finanzielle Bildung selbst um die Anlage zu kümmern.

      Bis bald,

      FF

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