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Rente_oder_Kapital

Wenn dich fehlende finan­zi­elle Bildung CHF 3.2 Mio. kostet

Am Freitag habe ich in einer Insta-Story gefragt, für was du dich entscheiden würdest: Im Alter von 54 lieber 2 Mio. als Kapital oder lebenslänglich jedes Jahr CHF 64'000.

Das Wichtigste in Kürze

  • 77% haben sich für das Kapital entschieden
  • Rechne zu erst
  • Zinseszinsen lohnen sich immer
  • Kümmere dich um deine finanzielle Bildung
  • Hol die bei diesen Summen mehrer Experten

Ausgangslage

Frau, 54, Mann leider verstorben. Die gute Dame muss sich jetzt entscheiden, was sie mit den zwei Millionen aus der Pensionskasse ihres Mannes macht. Als Kapital auszahlen oder lebenslänglich eine Rente von CHF 64'000 im Jahr. Egal für was sie sich entscheidet, die Pensionskasse hat noch eine Todesfallsumme von CHF 500'000 eingeschlossen.

Abstimmung Instagram-Story

Zugegeben, CHF 64'000 jedes Jahr, klingen extrem verlockend. Speziell, wenn man sich nicht darum kümmern muss. Aber ist das wirklich schon alles, dass du beachten musst, bei so einer Entscheidung?

Vorneweg, wer sich für die Rente entscheidet, verliert locker über 4,5 Millionen Franken. Und das nur, weil es an finanzieller Bildung mangelt. Gerne nehme ich dich mit auf eine Reise voller Zahlen, Berechnungen und finanznerdigen Gedankengänge. Willkommen also in meinem Kopf.

Hintergrundwissen, dass du haben musst

Bevor du jetzt sagst, dieses Wissen kannst du gar nicht haben: Wenn wir über zwei Millionen diskutieren, erwarte ich von dir, dass du dir soviel Informationen wie nur möglich einholst. Das du dir die richtigen Fragen stellst. Das du ein bisschen weiter studierst, als von einer Wand bis zur Tapete.

Anlagedauer

Als erstes die Frage, wie hoch ist deine Lebenserwartung. Wir wissen leider, oder zum Glück, alle nicht, wie lange wir leben. Hier musst du dich auf Statistiken beziehen oder auf die Sterbetafel. Eine 54-jährige Frau wird sehr wahrscheinlich 86 Jahre alt.

32 Jahre lang CHF 64'000 ergibt CHF 2'048'000. Das sind ja schonmal mehr als die 2 Millionen, die ausbezahlt werden. Aber könntest du, wenn du die zwei Millionen heute schon hättest, nicht mehr daraus machen? Und wieviel Prozent sind eigentlich 64k von 2Mio?

100/2'000'000*64'000 = 3.2%

3,20%! Gab es da nicht so Anlageinstrumente, die mega günstig sind, keine Arbeit von dir abverlangen. Dazu erwirtschaften sie weit mehr als 3,2%? Ahja, fast vergessen, man nennt sie ETF.

Steuern

Entscheidest du dich für die Rente, musst du diese normal zu deinem Einkommen versteuern und bezahlst Einkommenssteuern darauf. Wählst du das Kapital, werden Kapitalleistungssteuern fällig. Diese können bei dieser Summe extrem schmerzen: CHF 380'000 Kapitalsteuern.

Hier muss man also vergleichen, welche Summe höher ist. Bei der Rente würden bis zum Alter 86 in diesem Fall Rund CHF 808'600 an Steuern fällig werden. Sind im Jahr im Schnitt circa CHF 27'000. Bei der Wahl des Kapitals kommen wir auf Total CHF 800'000.

Geschockt? Einkommenssteuern sind nun mal viel höher als Kapitalsteuern, die CHF 64'000 schlagen jedes Jahr zu buche. Fairerweise wurden hier aber beim Kapital die Dividenden nicht einberechnet. Spielt für die Kernaussage aber keine massgebende Rolle.

Für dich wichtig: Lass dich von einmaligen hohen Kapitalsteuern nicht abschrecken. Rechne es durch!

Ertrag auf die zwei Millionen Kapital

Nehmen wir den beliebtesten Standart-ETF schlechthin. Den MSCI World. Seit über 50 Jahren können wir diesen messen, tracken, nachrechnen usw. Auch wenn es ETF gibt, die besseren rentieren, er ist der Vergleichsindex schlechthin. Einfach, langweilig, rentabel. Genau das, was wir hier brauchen.

Seit 1970 konnte der MSCI World ETF eine durchschnittliche Rendite von 7,1 % erzielen.

vergleich.de

Du hast es gelesen. Nicht von mir, aber du hast es gelesen. 7,1% Darfst du als Rendite seit 1970 erwarten. Das ist so verdammt viel mehr als 3,20%! Wieviel mehr, rechne ich dir gerne vor. Dazu benutze ich meinen berühmt berüchtigten Finanztaschenrechner.

Dieser hat fünf Funktionstasten, die mir mein Leben extrem erleichtern. Ich kann ihm die Anlagedauer angeben (N), die Rendite Pro Jahr (I/YR), das Startkapital (PV), wieviel pro Jahr ein oder ausbezahlt wird (PMT) und was das zukünftige Kapital sein soll (FV).

Da egal für was sie sich entscheidet, CHF 500'000 zusätzlich ausbezahlt wird, rechnen wir diese zu den zwei Millionen hinzu. Die oben erwähnte Kapitalsteuer von CHF 380'000 ziehen wir dafür ab. Netto bleiben uns CHF 2'120'000.

Rechnung 1

Da ich keine Diskussion starten will, ob 7,1% in den nächsten 32 Jahren immer noch realistisch sind, rechne ich einfach ganz bequem mal mit 5%.

  1. N = 32
  2. I/YR = 5
  3. PV = +/- 2'120'000
  4. PMT = 0
  5. FV = 10'101'675.91

Wir kommen also auf schlappe 10 Millionen. Fairerweise können wir jetzt argumentieren, dass die Witwe wohl die CHF 64'000 jedes Jahr brauchen wird. Kein Problem, kann ich dir auch gerne vorrechnen.

Rechnung 2

  1. N = 32
  2. I/YR = 5
  3. PV = +/- 2'120'000
  4. PMT = 64'000
  5. FV = 5'282'550.83

Baam, bleiben immer noch CHF 5'282'550.

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Das wir uns richtig verstehen, mit bleiben noch, meine ich auch, die bleiben noch. Entscheidet die Kundin sich für die lebenslängliche Rente, dann ist nach ihrem eigenem versterben nichts mehr da. Egal ob die Rente einen Monat oder fünf Jahre oder 32 Jahre oder 50 Jahre ausbezahlt wurde. Die Nachkommen erben nichts davon.

Hättest du dich für die Rente entschieden, wäre das ein Verlust von CHF 3'282'550.83.

Rechnung 3

Aber weisst du was? Heute bin ich grosszügig. Statt CHF 64'000 tausend, spendiere ich der guten Frau sogar CHF 100'000 im Jahr.

  1. N = 32
  2. I/YR = 5
  3. PV = +/- 2'120'000
  4. PMT = 100'000
  5. FV = 2'571'792.98

Sie hat jetzt also nicht nur mehr als CHF 64'000 im Jahr, es bleiben immer noch über 2.5 Mio. übrig.

Abschliessende Überlegungen

Auch wenn die 32 Jahre nicht erreicht werden, fährt die Frau mit dem Kapital besser, da sich die Renten ansonsten nicht auf die zwei Millionen summierten. Wird die Frau älter als 86 Jahre, haben wir noch einmal einen Zinseszins und die Rechnung wird noch besser.

Der MSCI World kann man als thesaurierenden oder als ausschüttenden ETF kaufen. Wer sich die Dividenden ausbezahlen lässt, macht sich quasi selbst eine Rente. Der Vanguard FTSE All-World hat eine Ausschüttungsrendite von 1.6%. Bei 2 Millionen wären das bereits CHF 32'000 jedes Jahr, die ausbezahlt werden. Nach ein paar Jahren hast du schon nur durch die Dividenden mehr als die CHF 64'000.

Das sich eine 54-jährige Kundin mit diesen Überlegungen schwer tut, ist sehr verständlich. Speziell, wenn sie sich in diesem Alter zum ersten Mal mit finanzieller Bildung auseinander setzen muss. Wenn du dich nicht eines Tages in der gleichen Situation wiederfinden willst, dann beginn heute mit dem investieren. Eröffne dir ein Depot und fang mit dem ersten ETF an.

Fazit

Auch wenn CHF 64'000 jedes Jahr auf den ersten Blick viel Geld sein mag, lass dich nicht davon täuschen. Benutze deine finanzielle Bildung und rechne nach.

Was ich übrigens auch tragisch finde, die vielen Nachrichten von Finanzberatern, die sich für eine Rente aussprechen oder für Teilrenten oder für Entnahmepläne usw. Du musst dich bei einer Summe von zwei Millionen wirklich nicht davor scheuen, dir professionelle Hilfe zu holen. Bei dieser Summe würde ich sogar bei mehreren Finanzplaner anklopfen. Wie du siehst, geht es eben doch um Millionen.

Bis bald,

FinanzFabio

Finanzplaner_Fabio_Marchesin
Finanzplaner Fabio Marchesin

FinanzFabio will mit finanzieller Bildung auf seinem Blog die Schweiz vor der Altersarmut retten. Er glaubt nicht mehr an die AHV.

www.finanzfabio.ch

Ps. Wenn dir diese Art von Blogbeiträgen mit all den Gedankengängen und Berechnungen gefallen hat, dann lass mir doch ein Herzchen hier. Einfach anklicken.

Pps. Ok ich konnte es nicht lassen und musste trotzdem nur kurz mit 7,1% rechnen. Selbst mit dem Bezug von CHF 64'000 jährlich, wären am Ende satte CHF 7'797'968 übergeblieben.

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4 Kommentare

  1. Hallo Fabio

    Cooler Beitrag!
    Du hast genau den Nagel auf den Kopf getroffen.
    Mich würden zwei Sachen Interessieren, wie überzeugst du einen Schweizer Bürger das er einen MSCI World ETF nehmen soll obwohl die meisten in US-Dollar oder Euro gehandelt werden aus Sicht des Kunden.
    Wie gehst du mit dem Wechselkursrisiko um gegenüber Kunden um.

    Nach deiner Berechnung müsste ja dann auch jeder der in Pension geht sein Kapital ausbezahlen lassen auch wenn es nur 500‘000.- CHF ist und in einen MSCI World ETF investieren mit der gleichen jährlichen Entnahme wie die Altersrente gemäss BVG Ausweis und der Lebenserwartung der Sterbetafel.
    Bin gespannt auf dein Feedback.

    Gruss

    Martin

  2. Hallo Fabio

    Cooler Beitrag mach weiter so, mich würden zwei Punkte interessieren wie siehst du das mit dem Währungsrisiko? Ich als Schweizer Bürger möchte mein erspartes am Ende in Schweizer Franken. Die meisten MSCI World ETF sind in USD oder EUR ist mir schon klar das bei 7,1% oder in deinem Beispiel bei 5 % noch Luft besteht auf das Währungsrisiko. Ein weiteren Punkt würde mich interessieren so wie du schreibst bist du eher das man das Kapital beziehen soll als eine Rente. Das gleiche würde ja dann auch auf jede Person zu treffen die vor der Pensionierung steht. Eine Annahme ich hätte 500‘000.- CHF Kapital, aus dem BVG und würde dies in ein MSCI World ETF investieren nach den gleichen Ansätzen wie du es schreibst im Beitrag nach der Sterbetafel und einem Altersrentenbezug bei einer ordentlichen Pensionierung mit 65 Jahren. Wenn ich dein Beitrag Richtig interpretiere wäre jeder blöd der heute noch eine Rente nehmen würde bei der Pensionierung. Die Pensionskassen können ja nicht die gleiche Rendite Erwirtschaften da sie ja reguliert sind gibst mir da Recht.

    Lieber Gruss Martin

    1. Guten Morgen Martin

      Keine Angst, die Kommentare werden beantwortet, kann aber auch mal 24h dauern. Im schlimmsten Fall sogar noch länger 😉

      Grundsätzlich sehe ich es nicht als meine Aufgabe, jemanden von etwas zu „überzeugen“. Ich kläre nur auf. Mit meinen bereit gestellten Informationen kann jeder selber entscheiden, ob er Option eins, zwei oder drei wählt.

      Zum Währungsrisiko. Wir reden ja nicht davon, dass wir eine Währung kaufen, sondern Aktien, die in einer bestimmten Währung rausgegeben werden. Der Aktienkurs passt sich immer wieder der gehandelten Währung automatisch an. Das einzige Szenario, in dem du Währungsverlust erleiden würdest, ist wenn es genau an dem Tag, an der du die Aktien verkaufen willst, die Währung 30% einstürzt.

      Im Beitrag habe ich mich nicht grundsätzlich für den Kapitalbezug ausgesprochen, sondern dass man sich zuerst Gedanken darüber machen soll, es durchrechnet und bei solchen Entscheidungen sich Hilfe holt. Anhand deiner Email Adresse gehe ich davon aus, du arbeitest auch in der Finanzbranche. Du weisst sicherlich, dass Witwenrenten immer tiefer sind als dir normalen Altersrenten. Das ist also schon mal ein grosser Unterschied. Stell dir vor es wäre eine Altersrente mit dem Umwandlungssatz von 6.8% statt die 3% der Witwe?. Warum wollte ich das Risiko auf mich nehmen um 7.1% zu erwirtschaften? Das kann schön die PK für mich tun, die muss ja lebenslang bezahlen. Dann reden wir davon, dass die gute Frau erst 54 Jahre alt ist und nicht schon 64. Die 10 Jahre machen dann doch noch etwas aus.

      Weiter kann man mit 2 Mio, was wirklich sehr viel Geld in einer PK ist, besser und einfacher wirtschaften, als mit „nur“ CHF 500’000. Ganz unter dem Motto: Die erste Million ist die schwierigste.

      Hoffe das hat dir weiter geholfen und du kannst auch etwas davon in deine Beratungen einfliessen lassen 🙂

      Bis bald,

      FinanzFabio

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