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Finan­zi­elle Bildung für Kinder – 12 Tipps

Ein Gastbeitrag von Simone Hoffmann von Simosackgeld über finanzielle Bildung für Kinder.

Gemäss diverser Studien sind rund 25% der Jugendlichen / jungen Erwachsenen verschuldet. Ein Grund dafür ist, dass Kinder oder Jugendliche nicht lernen, wie Geld funktioniert und welche Konsequenzen bspw. Konsumschulden haben. Eine solide finanzielle Bildung kann helfen, dieser belastenden Situation vorzubeugen.

Eine weitere Studie aus dem Jahr 2013 von David Whitebread und Sue Bingham der Universität Cambridge hat aufgezeigt, dass sich Gewohnheiten bei Kindern bereits mit sieben Jahren verfestigen. Alles, was nach dem siebten Jahr kommt, ist schwieriger zu etablieren oder wieder zu ändern. Bei der Etablierung von Gewohnheiten übernehmen wir als Eltern eine Vorbildfunktion. Kinder zwischen 0 und 7 schauen sich bei uns ab, wie wir mit Geld umgehen. Folglich ist es wichtig, dass wir als Eltern sinnvolle Geldgewohnheiten vorleben.

Finanzielle Bildung für Kinder

Ich, Simone, sehe finanzielle Bildung für Kinder wie einen Werkzeugkasten. Zunächst vermitteln wir Kindern, dass ein Werkzeugkasten etwas Gutes ist. Wir zeigen ihnen, welches Werkzeug für welchen Zweck geeignet ist und befähigen unsere Kinder in der Anwendung.

Finanzielle Bildung für Kinder kann auch mit dem Schwimmen verglichen werden: als Eltern überlassen wir es nicht dem Zufall, ob unser Kind schwimmen kann oder nicht. Wir melden Kinder zu einem Schwimmkurs an und fördern es. Das Kind lernt schwimmen, im dem es dies selbst TUT. Niemals würden wir unser Kind bei uns zuschauen lassen, wenn wir schwimmen und sagen: «So, jetzt hast du mir eine Zeit lang zugeschaut, du weisst, wie es geht, also gump ins Wasser und schwimm!» Das würde uns im Traum nicht einfallen. Ähnlich sollten wir es mit der finanziellen Bildung und der Etablierung guter Geldgewohnheiten tun: wir erklären es unseren Kindern und dann üben sie die Umsetzung mit dem Taschengeld oder Jugendlohn. Doch wie können wir das konkret tun? Hier kommen ein paar Tipps:

Alles fängt bei dir als Eltern an

Bevor wir über die finanzielle Bildung für Kinder reden, sollten wir uns hinterfragen, was wir selbst über Geld denken und welchen Stellenwert Geld für uns hat: Empfinden wir Geld als etwas Positives, was uns Freude und Möglichkeiten bringt? Oder als etwas Negatives, was uns Sorgen und Nöte bereitet?

Nach der Einstellung geht es um die Verhaltensweise. Wie gehen wir als Eltern mit Geld um? Sind wir der Sparfuchs, die Shoppingfreudige, der Investitionsluchs oder der Angsthase, wenn es um Geld geht?

Grundvoraussetzung für eine solide finanzielle Bildung für Kinder ist, dass wir eine positive Grundeinstellung zu Geld vermitteln und selbst gute Geldgewohnheiten bei uns etabliert haben, die sich unsere Kinder abschauen können.

Sind wir uns dieser Grundvoraussetzungen im Klaren, können wir auch früh Gespräche mit unseren Kindern über Geld führen. Ich sage nicht, dass wir jetzt mit unseren Kindern bereits zu Anfang eine vollumfängliche Aktienanalyse durchführen sollten – nein. Es geht eher um das Alltägliche, was mühelos beim Znacht besprochen werden kann: Von welchem Konto zahlen wir die Steuerrechnung? Wie viel haben wir für unsere geplanten Ferien bereits gespart? Ich habe heute dem netten Mann, der die Obdachlosenzeitung anbietet, ein Exemplar abgekauft; Gestern haben wir die Dividendenzahlung erhalten, etc. Geldthemen sollten zu Hause kein Tabuthema sein und Kinder sollten Geld in allen Facetten lernen.

Vielleicht ertappst du dich ja selbst bei diesen 7 Finanzfehlern.

12 Tipps für gute finanzielle Bildung

Geld ist nicht nur zum Ausgeben da

Zeige deinem Kind, wie Geld eingesetzt werden kann: bspw. kann es via Zinseszinseffekt vermehrt werden, es kann gespart werden oder für einen guten Zweck gespendet werden

Zahle dich selbst zuerst

Der wichtigste Geldtopf ist der, der dein Geld vermehrt. Alle, die dir eine Rechnung senden, wollen bezahlt werden. Und du bezahlst die Rechnungen auch brav.

Du musst dir selbst keine Rechnung stellen, aber du musst dich zuerst selbst bezahlen. Als Erwachsener kannst du zum Beispiel zuerst in die Säule 3a oder in dein Wertschriftendepot bei Swissquote einzahlen.

Kinder sollen das lernen.

Sparen für ein konkretes Ziel

Kinder sparen am besten für ein Ziel oder einen Wunsch, mit dem sie sich identifizieren können. Nicht sparen um des Sparen Willens

Sensibilisierung für «Brauchen» und «Möchten»

Bringe deinen Kindern den Unterschied zwischen «Brauchen» und «Möchten» bei. Welche Ausgaben braucht es tatsächlich (bspw. Wasser, Heizung, Licht) und welche Ausgaben möchten wir tätigen (Ferien, Ausflüge, etc.)

Mit Geld Gutes tun

Andere Menschen, Tiere oder Umweltthemen benötigen unsere Unterstützung. Hier können wir auch über kleine Beträge viel Gutes bewirken

Behalte die Kontrolle über dein Geld

Eine gute Geldgewohnheit ist, die Kontrolle über sein Geld zu haben. Dies bedeutet einen regelmässigen Kassensturz zu machen und zu zählen wie viel Geld in den Spardosen oder im Geldbeutel ist. Deswegen bin ich auch ein Freund von durchsichtigen Spardose-Lösungen: Kinder können sehen, wie es wächst. Das Geld verschwindet nicht in einer «Blackbox».

Lehre deinen Kindern früh das Budgetieren

Budgetieren ist eine wichtige Finanzkompetenz, die Kinder beherrschen sollten. Budgetieren können Kinder, sobald sie mit Rechnen beginnen. Zuerst im Kleinen (bspw. drei Äpfel und drei Birnen) und später hin zu einem Familienrestaurant-Besuch, die eigene Kindergeburtstagsparty oder ein Familienausflug.

Sprich mit deinen Kindern über Investieren

Geld wird vermehrt, in dem Geld angelegt wird – wie z. B. über aktuell attraktive Lösungen wie passive ETFs, Fonds oder Aktien. Kinder können früh herangeführt werden, indem wir ihnen unsere eigenen Portfolios zeigen oder mit ihnen über Firmen sprechen, die sie kennen (bspw. MC Donalds ). Wir können sie über Dividenden-Auszahlungen informieren und erklären, wie wir das Geld wieder einsetzen (reinvestieren) oder für einen schönen Ausflug bspw. ausgeben.

Über Geld zu reden ist enorm wichtig für die finanzielle Bildung für Kinder.

Es kann nur das Geld ausgegeben werden, welches du besitzt

Die Basis der guten Geldgewohnheiten: Geld, welches man nicht hat, kann auch nicht ausgegeben werden. Je nach Alter des Kindes kann der Unterschied zwischen Vermögenswerten (= Ausgaben, die dir Geld bringen) und Verbindlichkeiten (=Ausgaben, die dir Geld aus der Tasche ziehen) verdeutlicht werden.

Lösungsorientierung vermitteln

Wenn sich Kinder etwas leisten möchten, aber momentan kein Geld dafür haben, ist eine Möglichkeit mit ihnen nach Lösungen zu suchen, WIE sie sich das Gewünschte leisten KÖNNEN. Die sogenannten «W-Fragen» (was, wie, warum, etc.) regen zum Denken an. Pauschalaussagen wie bspw. «Ich kann mir das nicht leisten» blockieren die Suche nach Möglichkeiten und haken den Fakt gedanklich ab.
Wir können Kinder mit folgenden Fragen unterstützen: «Wie kannst du dir das leisten? Welche Möglichkeiten hast du? Was kannst du tun? Welche Ideen hast du, um dir das leisten zu können?».

Geld dazu verdienen

Es gibt viele Möglichkeiten, wie Kinder im Rahmen der gesetzlichen Bestimmungen Geld dazu verdienen können. Klassisch sind «Zeit für Geld»-Einsätze im Sinne von Rasen mähen, Zeitungen verteilen und/oder aussergewöhnliche Hausarbeiten zu übernehmen, die entlohnt werden.

Eine weitere Option ist, dass sich Kinder / Jugendliche mit unserer Unterstützung Geldverdienstmöglichkeiten suchen, bei denen sie neue Kompetenzen oder Fähigkeiten erlernen. Bestenfalls entsprechen diese noch ihren Neigungen und Stärken. Selbstverständlich müssen sie hier auch ihre Zeit einsetzen, aber sie lernen dazu noch Fähigkeiten, die ihr Profil schärfen, was ihnen in ihrem späteren Berufsleben helfen wird (bspw. Verkaufstechniken).

Kinder mit Taschengeld / Jugendlohn üben lassen

Es ist wichtig, dass Kinder ihre eigenen Erfahrungen machen und daraus lernen. Es ist definitiv etwas anderes, ob wir als Eltern ihnen Spielsachen kaufen oder ob sie es von ihrem Taschengeld bezahlen – der Stellenwert des Spielzeugs ist ein anderer. Wissenschaftler der Massachusetts Institute of Technology’s Sloan School of Management (MIT) haben herausgefunden, dass das physische Geld weggeben im Gehirn einen Impuls in der Schmerzregion auslöst. Geld weggeben tut uns weh. Diesen Effekt spürte ich bei der Tochter einer Bekannten deutlich, als sie sich für ein kleineres (anstelle eines grossen) Spielzeug entschieden hat, weil sie noch Geld in ihrem Geldbeutel haben wollte.

Fazit

Die finanzielle Bildung für Kinder ist für uns und unsere Kleinen eine Reise: sie beginnt bei der Einstellung zu Geld, geht in die richtige Verhaltensweise mit Geld über und vermittelt die Kompetenz vorhandene Finanzprodukte zu verstehen und gute Finanzentscheidungen treffen zu können. Finanzkompetenz sollten unsere Kinder genauso lernen wie Schwimmen oder einen Werkzeugkasten sinnvoll bedienen zu können. Geld folgt eigenen Regeln. Es ist empfehlenswert, dass wir als Eltern unseren Kindern früh diese Regeln aufzeigen und vermitteln. Als guten Start habe ich 12 wichtige Geldregeln aufgelistet, die direkt mit den Kindern umgesetzt werden können.

Zu guter Letzt, ist es wichtig, finanzielle Bildung mit einer guten Portion Spass zu vermitteln und zu begleiten. So lernen Kinder, dass Geld ein großartiges Instrument ist, welches Chancen und Möglichkeiten von Kindesbeinen an bis ins hohe Alter bietet.

-Simone

Onlinekurs Investieren und finanzielle Bildung für Kinder

Wenn du mehr zu diesem Thema lernen möchtest, ich, Fabio, habe dafür einen eigenen Onlinekurs erstellt.

Im Kurs erfährst du, wie du Geld für deine Kinder sinnvoll und kostengünstig anlegest. Du hast somit die Chance, den Anlagehorizont deiner Kinder um bis zu 18 Jahre zu verlängern.

So kannst du diese Tipps nicht nur theoretisch, sondern auch praktisch anwenden.

Bis bald,

FinanzFabio und Simone

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