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VIAC Frei­zü­gig­keit – für wen lohnt es sich

"PS: Sorry, dass ich so kurzangebunden bin - heute ging FZ live, gerade viel los :-)"

Ein PS von Daniel Peter, das es in sich hat. Was schon lange auf der Webseite von VIAC angeteasert wurde, haben sie am 26. Mai 2020 in die Tat umgesetzt. Wie dringend nötig die Schweiz diese Anlagemöglichkeit hat, möchte ich dir heute aufzeigen. Klick schon mal auf den Share-Button, dieser Beitrag wird alle jungen Mamis interessieren, die durch Teilzeitarbeit oder Aufgabe ihres Berufes nicht mehr bei einer Pensionskasse angeschlossen sind.

Vorneweg, dieser Beitrag ist nicht gesponsert und ich bekomme von der VIAC auch keine Provisionen für irgendwelche Vermittlungen.

Freizügigkeit

Wieder ein spektakuläres Wort, das niemand kennt, wenn man nicht in der langweiligen Welt der Finanzen sein täglich Brot verdient.

Mit Freizügigkeit ist dein Pensionskassengeld gemeint, das nicht mehr bei deiner Pensionskasse liegt. Lass mich es dir erklären:

Du bist über 25 Jahre alt und arbeitest 100%. Dein Arbeitgeber zieht dir jeden Monat von deinem Lohn einen gewissen Beitrag ab den du in der zweiten Säule, der Pensionskasse, für dein Alter ansparst. Dein Arbeitgeber selbst bezahlt dir auch jeden Monat etwas auf dieses Konto. Mindestens genau so viel wie du, er darf aber auch freiwillig mehr einzahlen.

Wenn du deinen Arbeitgeber verlässt, sei es weil du auf eine Weltreise gehst, einen längeren Sprachaufenthalt machst, deine Arbeitsstelle verlierst oder eben einfach Mama oder Papa wirst und lieber auf dein Kind schaust als zu arbeiten (was ich übrigens Super finde), kommt dieses Geld in deiner Pensionskasse mit dir. Natürlich kommt es nicht einfach so mit dir. Wir sprechen hier von unserem drei-Säulen System. Ein wenig kompliziert muss es schon sein.

Dein Pensionskassengeld ist jetzt nicht mehr dein Pensionskassengeld, sondern dein Freizügigkeitsgeld. Das bedeutet so viel wie, es ist zwar dein Geld aber du darfst nicht damit machen was du willst. Deswegen muss dein Freizügigkeitsgeld auf ein spezielles Konto übertragen werden. Ein sogenanntes Freizügigkeitskonto. Oder wenn du es zu einer Versicherung bringst, eine Freizügigkeitspolice. Dieses Geld kannst du nur unter denselben Bedingungen beziehen, wie dein Pensionskassengeld oder dein 3a Geld.

So viel zur Theorie. Alles klar soweit?

Die vergessene Rendite der Freizügigkeit

Wie du weisst, kannst du bei der Säule 3a als Angestellter jedes Jahr maximal CHF 6’826 einzahlen. Dies ist schweizweit für alle Arbeitnehmer gleich, welche einer Pensionskasse angeschlossen sind. In der zweiten Säule sieht diese Regelung aber anders aus. Hier bestimmt das berufliche Vorsorgegesetz, wieviel du, gemessen an deinem Lohn, mindestens einzahlst. Mindestens. Es kann gut sein, dass dein Arbeitgeber dich aber besser versichert als nur die gesetzlichen minimal Leistungen. Es ist also möglich, dass du mehrere tausend, sogar zehntausende Franken im Jahr in die Pensionskasse einbezahlst. Das wiederum bedeutet, dass deine Freizügigkeitsleistungen (ein anderes Wort für Pensionskassengeld) viel höher sein können, als dein Kapital in der Säule 3a.

Ich behaupte jetzt einmal, dass der Wissensstand bezüglich der Säule 3a einigermassen hoch ist in der Schweiz. An öffentlich zugänglichen Informationen und Werbung von Finanzhäusern mangelt es jedenfalls nicht. Weiter behaupte ich aber, dass es sehr wenige Menschen in der Schweiz gibt, die sich auch aktiv um ihre Freizügigkeitsgelder kümmern. Diese gehen irgendwie vergessen. Das geht sogar so weit, dass viele Freizügigkeitsgelder bei der Stiftung Auffangeinrichtung landen, weil die austretenden Mitarbeiter ihrer Ex-Pensionskasse nicht melden, wohin sie die Kohle schicken soll. Wer sich aber darum kümmert, das Maximum aus seiner Säule 3a zu holen, soll das doch bitte auch mit seinen Freizügigkeitsgeldern machen. Und hier kommt VIAC wieder in Spiel.

VIAC Freizügigkeit

VIAC hat mit seiner Lösung für die Säule 3a bewiesen, dass es auch günstig und rentabel geht. Mittlerweile eifern ihr sogar die Grossen nach und bringen ähnliche Produkte auf den Markt. Schon komisch wie auch die Banken ganz plötzlich günstig sein können, wenn sie nur wollen.

In der Zwischenzeit, als die Banken mit dem kopieren der Säule 3a von VIAC beschäftigt waren, haut VIAC aber noch einen oben drauf und stellen uns ein neues Produkt zu Verfügung. Die VIAC Freizügigkeit.

Für wen ist die VIAC Freizügigkeitslösung geeignet?

Das schreibt VIAC dazu:

- Du bist langfristig nicht mehr erwerbstätig und möchtest dein parkiertes Freizügigkeitsvermögen in Wertschriften investieren. (Anmerkung FF: spannend für Mamis und Papis)

- Du verlässt die Schweiz: Dann musst du dein angespartes Pensionskassenguthaben auf ein Freizügigkeitskonto überweisen. Speziell für Expats ist VIAC eine spannende Freizügigkeitslösung, dank dem digitalen Zugriff per Web-App.

- Du hast deinen Arbeitgeber gewechselt und kannst nicht das gesamte bisher angesparte Freizügigkeitsguthaben in die neue Pensionskasse einbringen.

- Du machst dich selbstständig und schliesst dich keiner Pensionskasse an.

FinanzFabio-Blogfoto

Hier möchte ich noch den Scheidungsfall hinzufügen. Bei einer Scheidung werden die Pensionskassengelder, welche während der Ehedauer angesammelt wurden, zusammengezählt und durch zwei geteilt. Erhältst du von deinem Ex Geld, wird dies auf ein Freizügigkeitskonto überwiesen.

Beispiel:

  • Mann: CHF 300'000
  • Frau: CHF 100'000
  • Total: CHF 400'000

Davon erhält jeder die Hälfte. Der Mann überweist der Frau also CHF 100'000 auf ein Freizügigkeitskonto ihrer Wahl.

Wichtig: Ein Freizügigkeitskonto ist keine Pensionskassenlösung. Es können nur ehemalige Pensionskassenguthaben oder bereits bestehende Freizügigkeitsguthaben übertragen werden.

Was ich hier noch einmal betonen möchte, sind die immensen Summen, die sich in einem Freizügigkeitskonto ansammeln können. Wir reden hier von bis zu mehreren hunderttausend Franken. Bei diesen Beträgen wäre eine Verzinsung von 0.10% schlicht eine Tragödie.

Investmentstrategien der VIAC Freizügigkeit

Sehr vereinfacht kann ich sagen, dass es in etwa die gleichen Strategien wie bei der Säule 3a der VIAC gibt. Sehr vereinfacht.

Da es sich hier aber um Gelder der zweiten Säule handelt, ist auch die VIAC nicht ganz so frei bei den Anlagen, wie wir es wohl alle gerne hätten. Nimm jetzt noch einmal einen Schluck Kaffee, es wird etwas komplex.

Zwei Strategien, ein Konto

Grundsätzlich kann jeder, der aufhört zu arbeiten, zwei Freizügigkeitskonti eröffnen. Dazu muss man aber zwei verschiedene Freizügigkeis-Stiftungen auswählen. Bei der VIAC Freizügigkeit kannst du ein Konto machen, dass in sich zweigeteilt ist: Obligatorium und Überobligatorium.

In der beruflichen Vorsorge bedeutet Obligatorium die Mindestleistungen gemäss Gesetz. Sprich, wenn du immer rein nach BVG (Obligatorium) versichert warst, kann man theoretisch ausrechnen, wieviel Geld du auf den Rappen genau in deiner PK haben solltest. Alles was du aber mehr hast, wird dem Überobligatorium zugeteilt. VIAC nutzt diese Eigenheit und bildet für dich das Vermögen in zwei Segmenten ab. Eines fürs Obligatorium und eines fürs Überobligatorium. Ganz wichtig aber, dass ist eine reine Abbildung, es wird von VIAC aber als ein FZ-Konto geführt. Wenn du dich wieder anstellen lässt und einer Pensionskasse angeschlossen wirst, musst du beide Segmente, respektive das gesamte FZ-Konto wieder auflösen. Einige Ausnahmen gibt es, aber das ginge jetzt viel zu

Warum also die Unterscheidung, wenn du trotzdem alles wieder mitnehmen musst?

Obligatorium 80% Aktien

Im Obligatorium darf die Aktienquote maximal 80% sein, da das Obligatorium strikt der Vorsorge, respektive der Existenzsicherung im Alter dienen soll. Die Einschränkung bezieht sich aber nur auf Aktien gegenüber dem Obligatorium. Sprich auch hier könntest du daneben noch in Gold und Immobilien etc. investieren.

Überobligatorium 97% Aktien, weniger Steuern

Das Überobligatorium kannst du aber wieder mit bis zu 97% Aktien anlegen. Was hier im Vergleich zum 3a noch einmal effizienter ist, ist, dass die Dividenden in gewissen Ländern zusätzlich steuerbefreit sind, weil es eben Geld aus der zweiten Säule ist. Somit kann hier zum Teil ein minim höherer Gewinn als in der Säule 3a erzielt werden.

Im Gespräch mit Daniel Peter, CEO von VIAC, betonte er, dass du die Strategie 100 ganz bewusst nach der Anmeldung im Segment Überobligatorium  selbst anwählen musst – im Onboarding wird maximal eine Strategie mit 80% empfohlen. Dies, da  es doch sehr unüblich ist, einen solch hohen Aktienanteil für  Freizügigkeitsgelder zu wählen.

Kosten der VIAC Freizügigkeit

Wie wir es uns schon von der Säule 3a Lösung gewohnt sind, sind die Kosten auch bei der VIAC Freizügigkeit sehr tief.

Auf der Webseite gibt VIAC Gebühren von 0.00% bis 0.54% an. Die Anlagestrategie 80 und 100 sind dabei die “teuren” mit 0.54%. Ob sie hier wirklich, wie sie ebenfalls auf der Webseite schreiben, 70% günstiger sind als vergleichbare Anbieter, kann ich nicht beurteilen. So oder so, wieder einmal eine klare Kampfansage.

Die tiefen Gebühren machen sich natürlich auch direkt bei der Rendite bemerkbar.

VIAC-Freizügigkeit-Gebührenrechner
VIAC Freizügigkeit Gebührenrechner

Der Anlagehorizont entscheidet

Wie immer kommt es bei der Börse und Aktien mehr auf deine Anlagedauer, als auf deine Strategie selbst an. Mehr Zeit, mehr Rendite und vor allem, mehr Sicherheit.

Wer nur ein Jahr eine Weltreise macht, sollte von einer Aktienstratgie wohl eher absehen. Arbeitest du aber ein paar Jahre nicht mehr, weil du ein Kind bekommen hast, kannst du mit gutem Gewissen darüber nachdenken, dein Freizügigkeitsgeld an der Börse für dich arbeiten zu lassen. Je nach dem wie viel du nach ein paar Jahren wieder arbeitest und verdienst, wirst du auch nicht zwingend wieder einer Pensionskasse angeschlossen. Dafür müsstest du mindestens CHF 21’330 verdienen. Erreichst du diesen Betrag nicht, kannst du das Geld weiter ganz getrost im Aktienmarkt investiert lassen.

Daniel Peter von der VIAC selbst empfiehlt, sein Freizügigkeitsgeld bis zum gesetzlichen Maxixmum von sechs Monaten bei der alten Pensionskasse zu belassen, bevor sie an die neue gehen. So profitiert man vom 1% Mindestverzinsung (stand heute).

Und genau das macht die VIAC so sympathisch. Auch wenn sie in diesen sechs Monaten Geld mit dir verdienen könnten, denken sie zuerst an dich und dann an sich selbst.

Bis bald,

FinanzFabio

Ps. Das jetzt doch ein wenig Arbeit. Klick doch bitte hier das Herzchen an und teile den Beitrag mit allen, die eventuell nur ein Freizügigkeitskonto haben und ihr Geld nicht für sie arbeitet. Die VIAC Freizügigkeit ist sicher die bessere Lösung.

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8 Kommentare

  1. Danke für den Beitrag Fabio,

    dieser hilft mir eine bessere Übersicht zu erhalten.
    Habe das Viac Freizügigkeitskonto schon ins Auge gefasst, seit es live ging. Habe jetzt extra noch auf deinen Beitrag gewartet bevor ich die Transaktion in Angriff nehme.

  2. Danke für deine tolle Arbeit, die du jede Woche in den Blog hier und in die Aufklärung steckst.
    Gilt nicht nur für diesen Beitrag.

    1. Hallo Ingo

      Vielen Dank für das Kompliment. Ich werde mich weiterhin bemühen, dir und allen anderen Lesern jede Woche einen Mehrwert zu bieten.

      Bis bald,

      FinanzFabio

    1. Du solltest grundsätzlich immer die ganzen Beiträge lesen, sonst gehen noch meine Jokes zwischen den Zeilen unter 😉

      Ps. Ruf mich doch heute bitte um 17:30 Uhr an.

      Lg

      FinanzFabio

  3. Hallo Fabio

    Wieder ein sehr lehrreicher Bericht.

    Ich hätte dazu eine Frage. Ich habe auch schon mit dem VIAC Freizügigkeitskonto geliebäugelt. Weiss aber nicht ob es in meiner Situation Sinn macht. Habe vor zwei Monaten gekündigt und werde ab Januar neben einer neuen Ausbildung Teilzeit arbeiten. Der Jahreslohn wird (hoffentlich) für eine Einzahlung in die BVG reichen. Ich werde nach der Ausbildung wahrscheinlich selbständigerwerbend sein und frage mich deshalb, ob es im jetzigen Moment (3 Monate ohne Arbeit) Sinn macht, ein Freizügigkeitskonto bei der VIAC zu eröffnen…?

    Liebe Grüsse

    Nadia

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